Aegidienkapelle

Mit den Römern und vielen aus anderen Ländern stammenden Soldaten kam das Christentum ins Rheinland. Nach 400 n.Chr. ließen sich Franken hier nieder, davon zeugen noch Höfeanordnung und Bauweise. Buschdorf taucht erstmalig in einer Urkunde von 1217 auf. 2 Herren Winricus von Burisdorp schenken ihren Hof den Zisterzienserinnen von Grau-Rheindorf und einer tritt in den Deutschen Ritterorden ein. Buschdorf gehörte von alters her zu Rheindorf (Rheindorfer Kirchweg – Buschdorfer Kirchweg). Im Kirchenbuch sind immer wieder Buschdorfer Bürger verzeichnet und 1666 gab es bei einer Pestepedemie viele Tote.

Unsere Kapelle, an einer alten Handelsstraße nach Aachen gelegen, hatte Vorgänger. Unter der Kapelle wurden Reste römischen Mauerwerks gefunden. Auch ein Matronenstein aus dem Jahr 200 n. Ch. wurde in der Nähe ausgegraben. Zwischen 1869 und 1884 sind 2 röm. Sarkophage mit Grabbeigaben und einige Einzelfunde ausgegraben worden. Auch 1984 wird auf Buschdorfer Gebiet ein Sarkophag mit Münzen und einem Skelett gefunden, der auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. Eine Kopie steht auf dem Buschdorfer Friedhof.

Im Rheindorfer Kirchenbuch ist der Bau einer Kapelle im Jahre 1693 in Buschdorf belegt. Es handelte sich um eine kleine, aus Lehmfachwerk und mit Stroh gedeckte Kapelle. 1782 wird eine neue Kapelle auf dem heutigen Kapellengrundstück gebaut und dem heiligen Aegidius geweiht. Auch die neue Kapelle von 1782 wurde in Lehmfachwerk mit flacher Decke gebaut, aber mit Leyen (Schiefer) gedeckt. Die Witwe Mager vom Klosterhof verkauft das Grundstück, zehn Quadratruten, für 10 Reichstaler. Ein Maurermeister legte das Fundament, ein Zimmermann errichtete das Balkenwerk und den Dachstuhl. Alles andere wurde in Hand-und Spanndiensten erstellt. Ein Geistlicher wurde jeden Sonntag mit Pferd und Wagen aus Bonn geholt. Eingaben wegen eines eigenen Geistlichen wurden abgelehnt. Es mussten weiterhin Abgaben nach Rheindorf entrichtet werden.

Diese Kapelle wurde im 19. Jahrhundert baufällig und musste abgerissen werden. Der jetzige Bau der Kapelle St. Aegidius verdankt seine Entstehung im Jahre 1869 dem Einsatz des Rheindorfer Pfarrers Cornelius Thomas. Für die architektonische Planung hatte man den Kölner Diözesanbaumeister und Kgl. Preußischen Baurat Vincenz Statz gewinnen können. Er war ein Schüler von Friedrich Zwirner, der den Weiterbau des Kölner Domes durchführte. Rund 140 Kirchen und Kapellen zeugen noch heute überall im Land von der Schaffenskraft und den Ideen Vinzenz Statz. Inspiriert vom Weiterbau des Kölner Doms fand die Stilrichtung der Neugotik Dominanz in seinen Planungen und Ausführungen. Statz verstand es, den Neubau den gegebenen örtlichen Verhältnissen anzupassen. Am 3. November 1869 wurde die Kapelle geweiht. Zum alten Glöcklein kam eine neue Glocke, die dem Hl. Aegidius geweiht wurde. Die Ausgaben betrugen insgesamt 3645 Taler, die durch Spenden und Kollekten gedeckt waren. Es gab 105 Sitzplätze und noch mal 12 auf der Empore, die bis zum 2. Weltkrieg vermietet wurden. Die Buschdorfer bauten ihr Gotteshaus aus eigenen Mitteln in Eigenleistung wieder in Hand- und Spanndiensten. Auch die Römer leisteten ihren Beitrag, denn das Blei aus einem Sarkophag wurde für die Verglasung benutzt. Der Bauplatz der Kapelle war dem Architekten durch die Vorgänger-Kapelle aus dem Jahre 1782 vorgegeben. Zur rechten Hand war das Terrain bereits zugebaut und links für eine spätere Bebauung vorgesehen. Damit war eine Freistellung des Kapellen-Komplexes nicht gegeben, sondern er musste in eine Häuserzeile hineingebaut werden. Der Gliederung durch ein kurzes Querschiff und abgetreppte Strebepfeiler widmete Statz seine besondere Aufmerksamkeit. Die unverputzte Ziegelfassade, (Feldbrandziegel) die weithin sichtbare Schauseite der Kapelle besticht durch ihre Klarheit. Über der Tür befindet sich in hellem Haustein ein zweiteiliges Spitzbogenfenster, das die Mittelachse betont. Darüber ist eine Kleeblattrosette (Vierpass) eingelassen. Hohe Blendbögen und 3 Fensterschlitze unterstreichen die Senkrechte. Die Spitze des Giebels ziert eine Kreuzblume. Die Kapelle hat 5 Joche mit 3/8 Schluss. Viel Licht fällt durch die Fenster in den hohen Innenraum mit seinem spitzbogigen Kreuzrippengewölbe. Die 2 Fenster im Chor sind vom Düsseldorfer Maler Hubert Schöllgen entworfen und zeigen den Kirchenpatron St. Aegidius als Abt mit unserer Kapelle im Hintergrund. Sie zeigt sich jedoch mit veränderter Fassade. Das andere Fenster zeigt den Hl. Franziskus mit den ihm vertrauten Tieren. Mit der Eröffnung der Rheinuferbahn 1906 konnte der Schrankenwärter Peter Lohmer, wegen der genauen Uhrzeit im Bahnhofsgebäude das Läuten der Glocken übernehmen. Bei der Restaurierung 1935/36 waren bei statischen Überprüfungen Mängel am Dach festgestellt worden. Daraufhin entschloss man sich den Dachreiter abzubauen und der Fassade an der rechten Seite einen kleinen Turm für die Glocken anzufügen. Bei der letzten Restaurierung 1981/82 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Bei Renovierungen am Gewölbe fand man Reste der urprünglichen neugotischen Bemalung in Form von farbigem Rankenwerk, die als Vorlage für die Neuausmalung dienten. Wir wissen, dass Baumeister Statz die Innenausstattung selbst gezeichnet hat und zwar so einfach, dass der Dorfschreiner aus Hersel sie herstellen konnte. Da die Bänke zwar kunstvoll an der Seite geschnitzt, aber so eng und unbequem waren, dass ganze Generationen Buschdorfer, streng getrennt nach Männern rechts und Frauen links sich darin „ das Fegefeuer abverdienen „ konnten. Im Laufe der Jahrzehnte ging die ursprüngliche Ausstattung verloren, weil jede Generation die Kapelle zu modernisieren versuchte. Die Gottesdienste wurden von der Rheindorfer Geistlichkeit, Pfarrer oder Vicar versehen. Erst im Mai 1906 kommt ein eigener Geistlicher nach Buschdorf. 1908 erfolgte die Einrichtung der Kapellengemeinde kirchenrechtlich "Rektorat" blieb aber abhängig von Rheindorf. Die Geistlichen bleiben nur kurz, nur 1 bis 3 Jahre, da sie meist als geistliche Lehrer, z.B. in der Ursulinenschule in Hersel tätig sind.

Mit Prof. Alois Müller kam 1921 ein Universitätsprofessor nach Buschdorf, der die Gemeinde übernahm. Unter ihm erfolgte die Umgestaltung der Kirche mit dem Turm. St. Aegidius Buschdorf wurde 1930 Rektoratspfarre und 1977 kanonische Pfarrei.

Innenausstattung heute:

Altar, Ambo und Sedilien stammen von Sepp Hürten und wurden nach der Renovierung 1982 angeschafft. Der Kreuzweg wurde von Professor Müller erworben und ist in bemaltem Ton von dem Künstler "Wabe" ausgeführt worden. Die Kapelle war nach der Einweihung der neuen Kirche nicht mehr gewartet worden und so waren die Wände feucht. Die Nässe zog in den Ton und die Farbe ging verloren. Eine Restaurierung hat nur den Bestand gesichert, d.h. Farbreste sind in verschiedener Intensität erhalten. In der Nische, wo der Beichtstuhl steht, befand sich ursprünglich ein großer runder Ofen und der Beichtstuhl stand gegenüber. Die Nische um den Kanonenofen war gekachelt. Bei sehr kalter Witterung lief das Wasser an den Kacheln herunter. Die Kirche hatte eine kleine Orgel, die ihren Dienst lange Zeit versah. Als sie, weil auch sie nicht gewartet wurde, nicht mehr spielbar war, wurde ein Harmonium erworben, das aus der Kirche St. Maria Magdalena in Endenich kam. Nach der umfassenden Renovierung wurde dann im Frühjahr 1993 die heutige Orgel angeschafft. Es ist eine Orgel der Firma "Oberlinger". Diese hat zu einem Firmenjubiläum eine kleine Barockorgel für kleinere Kirchen nachgebaut und mit viel Liebe fürs Detail versehen. Diese Orgel hat 11 Register. Sie sind verteilt auf 2 Manuale, die je 4 Register bespielen und ein Pedal, das 3 Register aufweist. Die aufklappbare Verkleidung hat eine Bauernmalerei auf der Tagseite, die die Ranken und Blumen der Gewölbemalerei als Anregung aufgreift.Die alte Orgelbank, die schon bei der ersten Orgel im Einsatz war, wurde liebevoll aufgearbeitet und versieht immer noch ihren Dienst

Text: Adelheid Schmitz–Brodam
Quellen: Franz Grünkorn, Hubert Berg, Wolfgang Sarholz

   

Aegidienkapelle

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