St. Thomas Morus - Kirche und Kirchenausstattung

Das noch als Filialkirche von St. Paulus, Alt-Tannenbusch, errichtete Gotteshaus (1984, Architekt Karl Josef Ernst, Zülpich) prägt die große Straßenkreuzung des damals erweiterten Wohngebietes Bonn Tannenbusch. Der moderne, weiß verputzte Kirchenbau hat keinen Glockenturm. Ein großes Kreuz an der hochaufragenden, geschlossenen Chorwand zur Straßenecke hin verweist auf die christliche Bedeutung.
Der Eingangsbereich dieses nahezu quadratischen Zentralbaus liegt auf der gegenüberliegenden Seite. Angrenzende Pfarrbauten und Kirche öffnen sich von hier zu einer weiträumigen Platzanlage, die lange gemeinsam mit der evangelischen Epiphanias-Gemeinde genutzt wurde.

Im Gegensatz zum Chor wirkt die Eingangsfront der Kirche sehr offen. Horizontale Fensterbänder und eine pagodenähnliche Verdachung bilden den oberen Gebäudeabschluss. Durch eine lichtdurchflutete Eingangshalle gelangt man in den Innenraum.
Der Chorbereich befindet sich diagonal gegenüber, die Holzdecke steigt zum Chor hin stark an. Seitliche Ausnischungen rechts nehmen eine Marienkapelle und die Orgel auf. Eine große Sängerempore links ragt fast freischwebend weit in den Raum hinein. Die Fenster, teils vertikal, geometrisch und wenige figural gestaltet,
schuf die Glasmalerin Maria Katzgrau, Aachen; das "Sonnenfenster" (1992) K. Jörres, das Fenster "Morgenstern" (1995) H. Linden, beide Bonn. Weitere Ausstattung: Orgel (1994) Klais, Bonn; Chorausstattung, Marmor und Bronze (1984), Olaf Höhnen, Frechen; Taufbecken (1990) und Kreuzigungsgruppe (2004) Sepp Hürten, Köln; Bronze-Kreuzweg (1995) Walter Mellmann, Osnabrück. Unbekannter Zuschreibung sind die Konsolfigur Maria-Himmelskönigin und eine Pieta. 1991 wurde die Schutzmantelmadonna aus Lindenholz erworben, eine Nachbildung der "Ravensburger Madonna" von 1480.

Text-Quelle: Christel Diesler in: Diesler u. a., Weihnachtskrippen in 63 Bonner Kirchen und Kapellen, ISBN 978-3-931739-63-8, Hrsg.: Katholisches Bildungswerk Bonn 2014

KirchenFlug St. Thomas Morus

Text KirchenFlug St. Thomas Morus von Markus Höyng

Einladend erhebt sich die Pfarrkirche St. Thomas Morus hinter den Bäumen des Kirchplatzes, der als halbierter Kreis an die evangelische Epiphaniaskirche erinnert, die 2015 durch Wohnbauten ersetzt wurde.
Dieses ehemals ökumenische Kirchenzentrum entstand neben Tannenbusch-Center und S-Bahn-Haltestelle im Mittelpunkt der Großwohnsiedlung Neu-Tannenbusch, die seit Anfang der 70er Jahre im Norden der damaligen Bundeshauptstadt realisiert wurde. Zunächst Inbegriff modernen Wohnens,  sind heute auch Hochhäuser mit prekären Wohnverhältnissen. Mehr als 60% der Einwohner sind Migranten aus 120 Nationen, viele davon Studie-rende.
1984 wurde das von Karl Josef Ernst entworfene Kirchengebäude errichtet. Die gläserne Eingangsfront zieht den Blick ins Innere, das im gegenüber liegenden Altarraum zu einer von außen nicht vermuteten Höhe aufsteigt, dominiert von der 2004 vom Kölner Bildhauer Sepp Hürten geschaffenen Kreuzigungsgruppe aus Bronze.
Der Kopf Jesu wird von einer übergroßen Dornen-Krone umspannt. Maria und Johannes weisen auf den Erlöser, dessen Kreuzestod auf einer Hoffnung basiert, die Sepp Hürten im Sockel mit einer 2. Krone andeutet - einer antiken corona triumphalis - dem Lorbeerkranz der römischen Imperatoren. Schon im frühen Christentum wurde dieses Siegeszeichen auf Christi Sieg über den Tod gedeutet.
Von der großen Chorempore schweift der Blick über die lichtdurchflutete Eingangshalle zur mächtigen Orgel, die 1994 von der Bonner Firma Klais gebaut wurde. Rechts daneben das Auferstehungsfenster von Karl Jörres sowie das Hans Holbein nachempfundene Glasportrait des Kirchen- und Pfarrpatrons Thomas Morus, das Maria Katzgrau entworfen hat. Ebenso wie die Darstellung der Taube, die nach dem Ende der Flut mit dem Ölzweig zur Arche zu-rückkehrt. Am Taufbecken findet sich das Original einer Ikone, die Christus, den Weinstock zeigt, umgeben von den Patronen der acht Kirchen, die zur heutigen Kirchengemeinde gehören.
Seit 2013 ist dieses sich bescheiden in die Umgebung einfügende Gotteshaus die Pfarrkirche von mehr als 16.000 katholischen Christen im Bonner Nordwesten.